Technischer Rassestandard
Gruppe: 9 Gesellschafts- und Begleithunde
Kynologische Referenzklassifikation: Terrier – Toy-/Zwergterrier-Typ
Arbeitsprüfung: nicht vorgesehen
Anerkennung: von der WDF anerkannte Rasse G09-354
1. Geschichtlicher Überblick
Die Ursprünge des Biewer Terriers gehen auf Deutschland in den 1980er-Jahren zurück.
Im Jahr 1984 wurden in der Zuchtstätte der Familie Biewer aus zwei reinrassigen Yorkshire Terriern Welpen geboren, die weiße Abzeichen aufwiesen, ein Merkmal, das nicht dem traditionellen Standard des Yorkshire Terriers entsprach. Werner und Gertrud Biewer entschieden sich, diese besondere Farbausprägung gezielt züchterisch zu selektieren, und entwickelten im Laufe der Zeit eine Population, die durch das stabile Auftreten von Weiß in Verbindung mit Schwarz oder Blau und Gold/Tan gekennzeichnet war.
Der neue Typ weckte zunehmend das Interesse von Züchtern in Deutschland und später auch in anderen Ländern. Im Verlauf der Generationen entstanden spezifische Zuchtprogramme und eigene Register.
Der VDH betrachtet den Biewer Terrier heute als eigenständige Rasse und vertritt die Auffassung, dass die Population eine ausreichende genetische Differenzierung gegenüber dem Yorkshire Terrier erreicht hat, um eine selbstständige Klassifizierung zu rechtfertigen.
In den Vereinigten Staaten wurde die Rasse später ebenfalls von bedeutenden kynologischen Organisationen anerkannt. Der United Kennel Club erkennt sie seit dem 1. Januar 2016 an, während der American Kennel Club sie der Toy Group zuordnet.
Die moderne Zucht muss dennoch besonderen Wert auf die morphologische, genealogische und genetische Abgrenzung gegenüber dem Yorkshire Terrier legen, damit nicht allein die Fellfarbe das einzige Unterscheidungsmerkmal der Rasse darstellt.
2. Allgemeines Erscheinungsbild
Der Biewer Terrier ist ein kleiner, eleganter, harmonischer Hund mit leichter bis mittlerer Knochenstärke und einem feinen, gepflegten Erscheinungsbild.
Kennzeichnend sind:
- langes, glattes und seidiges Haar;
- dreifarbige Farbverteilung;
- regelmäßige Rückenlinie;
- elegante Haltung;
- relativ kleiner und proportionierter Kopf;
- reich befederte, bogenförmig über dem Rücken getragene Rute;
- lebhafter, aufmerksamer und intelligenter Ausdruck.
Das Haarkleid soll natürlich und gleichmäßig auf beiden Seiten des Körpers herabfallen und idealerweise durch einen längs verlaufenden Scheitel geteilt sein.
Der Gesamteindruck soll der eines kompakten und eleganten Hundes sein, niemals grob oder übermäßig zierlich.
Der Körperbau kann nahezu quadratisch erscheinen, der Rumpf ist jedoch normalerweise etwas länger als die Widerristhöhe.
3. Wichtige Proportionen
Die Körperlänge, gemessen vom Schulterpunkt bis zum hinteren Ende des Rumpfes, ist geringfügig größer als die Widerristhöhe.
Ein nahezu quadratischer Hund ist jedoch tolerierbar.
Die Widerristhöhe soll im Wesentlichen der Höhe der Kruppe entsprechen.
Der Körperbau muss ausgewogen sein, ohne Übertreibungen im Vorder- oder Hinterhandbereich.
4. Verhalten und Wesen
Der Biewer Terrier soll aufweisen:
- fröhliches Temperament;
- hohe Aufmerksamkeit gegenüber seiner Umgebung;
- Intelligenz;
- Lebhaftigkeit;
- starke Bindung an seinen Besitzer;
- gute Eignung für das Familienleben;
- liebevolles und verspieltes Wesen.
Er ist ein aktiver und neugieriger Begleithund.
Er kann eine gewisse Unabhängigkeit oder die für Terrier typische Lebhaftigkeit zeigen, darf jedoch keine unbegründete Aggressivität, extreme Ängstlichkeit oder Verhaltensinstabilität aufweisen.
Der Standard soll ausgeglichene, selbstsichere und sozial gut führbare Hunde bevorzugen.
5. Kopf
Der Kopf muss der Größe des Hundes entsprechen, elegant und niemals schwer sein.
Oberkopf
Schädel
Leicht gerundet, mäßig breit.
Er darf weder übermäßig gewölbt noch flach sein.
Stop
Mäßig ausgeprägt.
Er soll deutlich erkennbar sein, ohne abrupt oder übertrieben zu wirken.
6. Gesichtsschädel
Nasenschwamm
Vollständig schwarz pigmentiert.
Die Pigmentierung muss bei erwachsenen Hunden gleichmäßig und vollständig sein.
Braune, leberfarbene oder deutlich unvollständige Pigmentierung stellt je nach Bewertungssystem einen schweren Fehler oder einen Ausschlussgrund dar.
Fang
Die Fanglänge soll ungefähr einem Drittel der gesamten Kopflänge entsprechen.
Der Fang muss sein:
- proportioniert;
- ausreichend voll;
- nicht spitz;
- nicht übermäßig kurz;
- nicht grob.
Lefzen
Gut anliegend.
Pigmentierung vorzugsweise vollständig schwarz.
Backen
Mäßig entwickelt.
Sie dürfen weder hervortreten noch schwer wirken.
7. Kiefer und Gebiss
Kiefer regelmäßig und proportioniert.
Gebiss aus weißen und korrekt ausgerichteten Zähnen.
Zulässig sind:
- Scherengebiss;
- Zangengebiss.
Der Unterkiefer darf weder deutlich vor- noch zurückstehen.
Ein funktionell einwandfreies und korrektes Gebiss ist als wichtiges Selektionsmerkmal zu betrachten.
8. Augen
Augen von mittlerer Größe.
Form:
- rund;
oder - leicht mandelförmig.
Sie sollen nach vorne gerichtet sein und dem Hund einen Ausdruck verleihen, der:
- lebhaft;
- intelligent;
- offen;
- neugierig ist.
Die Iris soll so dunkel wie möglich sein.
Die Lidränder müssen schwarz pigmentiert sein.
9. Ohren
Klein.
Dreieckig oder V-förmig.
Aufrecht getragen.
Mäßig weit auseinander angesetzt.
Sie sollen zum aufmerksamen Ausdruck des Hundes beitragen.
Sie sind behaart; die Spitzen dürfen entsprechend der Ausstellungsvorbereitung gekürzt oder geschoren werden.
Dauerhaft hängende Ohren bei einem erwachsenen Hund stellen einen schweren Fehler dar.
10. Hals
Mäßig lang.
Elegant und gut in die Schultern eingesetzt.
Er soll eine hohe Kopfhaltung ermöglichen, ohne kurz oder gedrungen zu wirken.
Keine Wamme.
11. Körper
Oberlinie
Gerade und stabil.
Sie soll sowohl im Stand als auch in der Bewegung gleichmäßig bleiben.
Widerrist
Gut in die Rückenlinie eingefügt.
Nicht übermäßig ausgeprägt.
Rücken
Gerade, fest und kompakt.
Er darf nicht aufweisen:
- Kyphose;
- Senkrücken;
- ausgeprägte Rundungen.
Lende
Kurz und ausreichend kräftig.
Gut mit dem Rücken verbunden.
Kruppe
In Fortsetzung der Oberlinie.
Nicht übermäßig abfallend.
Brustkorb
Im Verhältnis zur Größe ausreichend breit.
Die Brust soll ungefähr bis zum Ellenbogen reichen.
Die Rippen sollen mäßig gewölbt sein.
Ein übermäßig schmaler oder übermäßig runder Brustkorb ist nicht erwünscht.
Unterlinie
Mäßig aufgezogen.
Der Bauch darf leicht aufgezogen sein, jedoch nicht übermäßig.
12. Rute
Hoch angesetzt.
Lang und reich behaart.
In der Bewegung soll sie getragen werden:
- hoch;
- bogenförmig;
- elegant über dem Rücken.
Das Haar der Rute bildet eine reichliche Befederung.
Der knöcherne Teil soll mindestens bis zum Sprunggelenk oder darüber hinaus reichen.
In Ruhe darf die Rute entspannter getragen werden.
Eine Kupierung darf nicht verlangt werden.
13. Vorderläufe
Allgemeines Erscheinungsbild
Von vorne betrachtet sollen sie sein:
- gerade;
- parallel;
- ausreichend bemuskelt;
- dem Körperbau angemessen.
Schulter
Mäßig schräg und gut nach hinten gelagert.
Sie soll eine gute Vorhandreichweite ermöglichen.
Oberarm
Von ausgewogener Länge und Winkelung.
Weder zu kurz noch übermäßig lang.
Ellenbogen
Dicht am Körper.
Weder nach innen noch nach außen gedreht.
Unterarm
Gerade.
Leichte bis mittlere Knochenstärke, jedoch ausreichend kräftig.
Vorderfußwurzelgelenk
Fest.
Vordermittelfuß
Kompakt und nahezu senkrecht.
14. Vorderpfoten
Rund und kompakt.
Zehen gut gewölbt.
Behaarung vorhanden, darf jedoch zur korrekten Beurteilung der Pfote gekürzt werden.
Ballen:
- schwarz;
- oder nach bestimmten nationalen Standardvarianten teilweise fleischfarben.
Krallen:
- schwarz;
- hell;
- oder gemischt.
15. Hinterläufe
Allgemeines Erscheinungsbild
Sie sollen in harmonischem Verhältnis zur Vorderhand gewinkelt sein.
Von hinten betrachtet sollen sie gerade und parallel stehen.
Oberschenkel
Gut bemuskelt.
Kniegelenk
Gut gewinkelt und stabil.
Unterschenkel
Gut bemuskelt und proportional zum Oberschenkel.
Sprunggelenk
Fest.
Weder nach medial noch nach lateral abweichend.
Hintermittelfuß
Kurz, stabil und nahezu senkrecht zum Boden.
16. Hinterpfoten
Rund.
Kompakt.
Zehen gut gewölbt.
Die Pigmentierung von Ballen und Krallen entspricht den für die Vorderpfoten festgelegten Merkmalen.
17. Bewegung
Die Bewegung ist ein wichtiges Element bei der Beurteilung der Rasse.
Sie muss sein:
- fließend;
- elegant;
- sicher;
- harmonisch;
- frei;
- geradlinig.
Die Vorderhand soll guten Vortritt zeigen.
Die Hinterhand soll ausreichenden Schub liefern.
Die Hinterläufe sollen der Spur der Vorderläufe folgen, ohne erkennbare Abweichungen.
Die Rückenlinie soll während der Bewegung stabil bleiben.
Nicht erwünscht sind:
- übermäßig hohe Trittaktion;
- Hackney-Aktion;
- übermäßiges Konvergieren der Gliedmaßen;
- steife Bewegungen;
- unzureichender Schub aus der Hinterhand.
Der Hund soll sich mit stolzer Haltung und hoch getragenem Kopf bewegen.
18. Haut
Fein oder mäßig dünn.
Gut am Körper anliegend.
Ohne übermäßige Hautlockerheit.
19. Haarkleid
Haarstruktur
Das Haar muss sein:
- lang;
- glatt;
- fließend;
- fein;
- weich;
- seidig.
Eine ausgeprägte Unterwolle soll nicht vorhanden sein.
Das Haarkleid soll senkrecht am Körper herabfallen.
Idealerweise erreicht es den Boden oder nahezu den Boden; es darf auf Bodenlänge gekürzt werden, damit eine natürliche Bewegung möglich bleibt.
Es darf nicht sein:
- wollig;
- lockig;
- kraus;
- übermäßig wattig.
Kopfhaar
Lang.
Traditionell auf dem Oberkopf zu einem charakteristischen Topknot oder Pferdeschwanz zusammengebunden.
Der Haarschopf soll sowohl eine praktische als auch eine ästhetische Funktion erfüllen und das Sichtfeld freihalten.
Übertriebene Aufbereitung, die darauf abzielt, Volumen oder natürliche Struktur des Haarkleides künstlich zu verändern, ist nicht erwünscht.
20. Farbe
Die Farbe ist ein charakteristisches Merkmal der Rasse, muss jedoch zusammen mit der Gesamtmorphologie und nicht isoliert beurteilt werden.
Kopf
Der Kopf muss Kombinationen aufweisen aus:
- Schwarz oder Blau;
- Gold/Tan;
- Weiß.
Die Verteilung soll möglichst harmonisch und symmetrisch sein.
Zulässig sind auch Kombinationen, bei denen vorherrschen:
- Schwarz/Blau + Gold/Tan;
- Gold/Tan + Weiß.
Das Vorhandensein von Tan am Kopf ist ein wichtiges Merkmal des Rassetyps.
Körper
Am Rumpf sind zulässig:
- Schwarz oder Blau;
- Weiß.
Schwarz/Blau kann auftreten:
- als ausgedehnter Mantel;
- als Sattel;
- in Platten;
- in Flecken.
Ein festes Verhältnis zwischen Schwarz/Blau und Weiß wird nicht verlangt.
Weiße Bereiche
Weiß müssen sein:
- Brust;
- Bauch;
- Gliedmaßen;
- Rutenspitze.
Das Weiß an der Brust soll idealerweise zum Hals hinaufreichen und das Kinn erreichen.
Die Gliedmaßen sollen von Ellenbogen- bzw. Kniebereich bis zu den Pfoten überwiegend weiß sein.
Tan am Körper
Tan soll am Rumpf oder an den Gliedmaßen nicht vorhanden sein.
Ein minimaler, örtlich begrenzter Tan-Anteil in der Perianalregion kann nach einigen Standards toleriert werden.
Farben außerhalb des typischen dreifarbigen Musters sind als nicht standardgemäß zu bewerten.
21. Größe
Widerristhöhe: ungefähr 21–26 cm.
Zulässige Toleranz ± 2 cm.
22. Gewicht
Idealgewicht:
2,0–3,8 kg.
Das Gewicht darf den typischen Körperbau, das Gleichgewicht oder die Funktionalität nicht beeinträchtigen.
23. Geschlechtsmerkmale
Rüden müssen zwei Hoden aufweisen, die:
- normal entwickelt;
- vollständig in den Hodensack abgestiegen sind.
Geschlechtsdimorphismus darf vorhanden sein, ohne den Rassetyp zu verändern.
24. Fehler
Jede Abweichung vom Standard ist zu bewerten nach:
- ihrem Schweregrad;
- ihrer Auswirkung auf den Rassetyp;
- ihrer Auswirkung auf die Funktionalität;
- ihren Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden.
Als Fehler können gelten:
- unausgewogene Körperproportionen;
- übermäßig schwerer Körperbau;
- übermäßig fragiler Körperbau;
- übermäßig langer oder kurzer Fang;
- zu stark gewölbter Schädel;
- übermäßig ausgeprägter Stop;
- zu helle Augen;
- zu große Ohren;
- kurzer Hals;
- instabiler Rücken;
- unzureichender Brustkorb;
- fehlerhafte Winkelungen;
- wenig fließende Bewegung;
- zu kurzes, gewelltes oder nicht seidiges Haarkleid;
- wenig harmonische Farbverteilung.
25. Schwere Fehler
Als besonders schwerwiegend sind anzusehen:
- Größe oder Gewicht deutlich über dem vorgesehenen Grenzwert;
- unvollständige Pigmentierung von Nasenschwamm, Lefzen oder Lidrändern;
- nicht aufrecht getragene Ohren beim erwachsenen Hund;
- gewölbter oder stark gekrümmter Rücken;
- deutlicher Höhenunterschied zwischen Vorder- und Hinterhand;
- ausgeprägte Stepp-/Hackney-Aktion;
- Körperbau, der mit dem Rassetyp unvereinbar ist;
- schwere Veränderungen des Haarkleides;
- erhebliche Farbabweichungen;
- Gewicht über 3,8 kg;
- unvollständige Pigmentierung;
- nicht aufrecht getragene Ohren;
- gekrümmter Rücken und Hackney-Aktion beim erwachsenen Hund.
26. Ausschließende oder disqualifizierende Fehler
Von der Zucht- oder Ausstellungsbewertung auszuschließen sind Hunde mit:
- unbegründeter Aggressivität;
- extremer Ängstlichkeit;
- offensichtlichen schwerwiegenden körperlichen Beeinträchtigungen;
- erheblichen Verhaltensstörungen;
- blauen Augen;
- brauner/leberfarbener Pigmentierung des Nasenschwamms oder der Lidränder;
- Albinismus;
- Farben, die nicht dem vorgesehenen Farbschema entsprechen;
- Fehlen grundlegender Rassemerkmale;
- ein- oder beidseitigem Kryptorchismus beim Rüden.
27. Zuchtempfehlungen
Zur Zucht sollen ausschließlich Hunde eingesetzt werden, die:
- klinisch gesund;
- funktionell gesund;
- wesensfest;
- morphologisch rassetypisch;
- genealogisch eindeutig identifiziert;
- genetisch mit dem Zuchtprogramm vereinbar sind.
Besonderes Augenmerk soll gelegt werden auf:
- Erhaltung einer korrekten Pigmentierung;
- Zahn- und Kieferstabilität;
- Gelenkqualität;
- korrekte Patellakonformation;
- erbliche Augenerkrankungen;
- genetische Vielfalt der Population;
- Rückverfolgbarkeit der Linien;
- Erhaltung einer tatsächlich vom Yorkshire Terrier unterscheidbaren morphologischen Identität.
Kynognostische Zusammenfassung
Der ideale Biewer Terrier soll ein kleiner Gesellschaftsterrier sein, elegant, leicht rechteckig, mit feinem, aber nicht fragilem Kopf, dunklen Augen, kleinen aufrecht getragenen Ohren, stabiler Rückenlinie, geraden und gut gewinkelten Gliedmaßen, fließender Bewegung, hoch angesetzter und gebogen getragener Rute, langem seidigem Haarkleid und charakteristischer dreifarbiger Verteilung.
Seine Rasseidentität darf nicht ausschließlich auf der Farbe beruhen: Für eine tatsächliche Abgrenzung vom Yorkshire Terrier sollten im Laufe der Zeit messbare und reproduzierbare phänotypische Unterschiede gefestigt werden, insbesondere hinsichtlich Kopfstruktur, Körperproportionen, Haartextur, Größe und morphologischem Gesamtbild.